Nach einer wenig glücklichen Saison bin ich mit der einzigen Erwartung, das Wochenende bis zum Ende kräftemäßig durchzustehen, an besagtem Wochenende Richtung Düren aufgebrochen. Welch unglaubliche Freiheit für mich als Fahranfängerin, meine Turniere endlich gänzlich frei aussuchen zu können und von niemandem mehr abhängig zu sein!
Dies führt allerdings auch dazu, dass ich nun selbst mein Ziel finden muss und mich nicht mehr darauf verlassen kann, dass der Fahrer den Weg schon finden wird...
Auf der Dürener Ausschreibung stand lediglich: "52353 Düren-Gürzenich, Mirweiler Weg". Ich fuhr den ganzen Mirweiler Weg entlang, ohne irgendeinen Hinweis auf den Bogenplatz zu finden und geriet ein wenig in Panik. Leute, wenn Ihr irgendwann auch mal nach Düren fahrt: Wenn man von der "Papiermühle" kommend rechts in den Mirweiler Weg einbiegt, dann ist wenige Meter weiter direkt links ein Hinweis "Badesee". Diese Abzweigung heißt auch Mirweiler Weg, man muss am Ende eng nach rechts abbiegen und den Gürzenicher Bach überqueren und kommt dann rechts geradewegs zum Bogenplatz. Da diese Rechtskurve mit einem Kombi nicht besonders schön zu fahren ist, fährt man besser von der Papiermühle kommend NICHT rechts direkt in den Mirweiler Weg sondern ein Stückchen weiter geradeaus und biegt erst die nächste rechts ab! Eine Ausschilderung hatten die Dürener leider nicht gemacht.
Dafür aber hatten sie einen supertollen Bogenplatz!!! Besonders schön war, dass man nicht sein eigenes Zelt aufbauen musste (für die Anfänger: als evtl. Regen- und/oder Sonnenschutz), sondern dass sich der Verein anlässlich des Ländervergleichskampfes 2009 riesengroße Pavillons gekauft hat. Wohl dem Verein, der so etwas besitzt. Ich fand es klasse!
Ein Vorteil gegenüber dem Bogenplatz in Leichlingen ist auch, dass sich die sanitären Einrichtungen nur wenige Meter entfernt befinden, so dass man problemlos während des Turniers verschwinden kann, was in Leichlingen insbesondere auf den kurzen Distanzen so gut wie unmöglich ist.
Was die Temperaturen angeht, wurde mein Wunsch nach einer Abkühlung leider nicht erfüllt, sondern es herrschte ein gefühltes Tropenklima. Unter den Pavillons war es für meinen Geschmack aber auszuhalten, ich hätte es mir wirklich schlimmer vorgestellt. Irgendwie lag der Platz so, dass die Bäume tatsächlich den Wartebereich großzügig mit Schatten beschenkten. Nur das Schießen selbst und natürlich das Pfeileholen und Aufschreiben fand größtenteils in der prallen Sonne statt, weshalb einige mit einem Schirm zu den Scheiben liefen. Insbesondere Uschi fiel mit ihrem DSB-Schirm in Form einer FITA-Auflage auf, aber den gibt es wohl leider nicht mehr zu kaufen. Ob man sich sowas wohl irgendwo auch als Sonderanfertigung bestellen kann?!
Gang San Kim schoss auf der Scheibe neben mir, und sein Onkel hatte einen Fertigbeutel Eiswürfel in einer Kühlbox dabei, der tatsächlich bis ziemlich zum Ende gut gefroren blieb. Sowas brauch ich das nächste Mal auch! Interessant, was es so alles gibt, man lernt doch nie aus!
Die Verpflegung der Dürener war für meinen Geschmack ziemlich gut, die Salate sehr lecker. Toll ist in Düren, dass meines Wissens Petra Nüssgens-Patz irgendwann eingeführt hat, dass dort in kleine Stücke geschnittene Wassermelone in Bechern für 1,- Euro verkauft wird. Davon hab ich mir am Samstag direkt vier Stück geholt. Oder waren es sogar fünf?! Auf jeden Fall nur zu empfehlen, das tut zwischendurch so richtig gut!!!
Schade, dass wir am Samstag nur mit drei Leuten und am Sonntag mit vier Leuten für unseren Verein gestartet sind. Es wäre zu wünschen, dass sich irgendwann mehr Leute an so einem Turnier beteiligen. Für die Dürener war es eh sehr unglücklich, dass es wohl aufgrund der Witterung und der Fußball-WM recht leer war. Am Samstag müssen, glaub ich, 30 Leute kurzfristig abgesagt haben (insbesondere Niederländer), ohne dass diese im voraus bezahlt hätten. Dies ist für den Veranstalter natürlich eine äußerst unglückliche Situation!
Die Witterung war wirklich kräftezehrend, aber wie gesagt, ich hatte es mir noch schlimmer vorgestellt. Am Samstag hab ich allerdings insgesamt fast 3 Liter getrunken, was ich wahrscheinlich bislang noch nie in meinem Leben tat (auch wenn das ja gesund sein soll).
Auf meiner Scheibe hat eine Schützin aufgrund von Kreislaufproblemen das Turnier auch leider vorzeitig beenden müssen, was mir zum Glück erspart geblieben ist. Man sah die Leute an diesem Wochenende übrigens mit teilweise unheimlich interessanten Kopfbedeckungen... seien es in Wasser getauchte Handtücher oder auch die normalen Anglerhüte aber ebenfalls stets vor jeder Passe frisch ins Wasser eingetaucht. Soll angeblich toll sein, mir wäre es zu nass! :)
Was die Ergebnisse angeht, hatte ich nichts erwartet und war insofern von 259 + 271 + 232 + 298 = 1060 positiv überrascht. Als ich letztes Jahr Leichlingen schoss, hab ich am ersten Tag mit 1047 den 1050er Stern (national) um 3 Ringe und am Folgetag mit 999 den 1000er Stern (international) um einen Ring verpasst. Insofern freute mich das Ergebnis sehr.
Als erschwerte Bedingung empfand ich übrigens das an diesem Wochenende offenbar auf dem sich nebenan befindlichen Fußballplatz parallel stattfindende Fest. Die sich häufig wiederholende Lautsprecherdurchsage des uns allseits bekannten Radiokommentars zum entscheidenden Tor der Fußball-WM 1954 konnte ich ja noch mit einem Schmunzeln ertragen, aber wenn sie einen Countdown zählten, der so gar nicht zu unserer Uhr etc. passte, dann war das manchmal etwas irritierend... :)
Als persönliche Herausforderung empfand ich es auch, am Sonntag ausgerechnet mit Petra Nüssgens-Patz auf einer Scheibe zu schießen. Sie verfehlte am Ende ihren eigenen vor einem Jahr aufgestellten Landesrekord von 614 mit 309 + 302 = 611 um 3 Ringe...
Ich selbst empfinde es allerdings als schwer, mit so guten Schützen auf derselben Scheibe zu sein und fand erst in der zweiten Runde wieder etwas besser in meinen Schießrhythmus. Mentales Training tut dringend not...
Bedauerlich finde ich auch, dass Compis meistens am völlig anderen Ende einsortiert werden, so dass sich meine lieben Vereinskollegen meilenweit von mir entfernt befanden... ob ich irgendwann doch noch ins feindliche Lager überwechsle?! :)
Die sogenannte "Dutch Final Round" am Sonntag wollte ich eigentlich gar nicht mitschießen, aber da ich natürlich meine Vereinskollegen zu ihren erwarteten ersten Plätzen beglückwünschen können wollte, dachte ich, kann ich ebensogut daran teilnehmen.
Ich fand das System allerdings am Anfang recht verwirrend und auch sehr, sehr ermüdend. Ein Glück, dass ich für gewöhnlich dann trainiere, wenn kein Mensch auf dem Platz ist, so dass ich es gewohnt bin, ohne Pausen zu schießen. Aber es war halt etwas anderes als normale Turniere, denn wir mussten inclusive Einschießpasse 11 x 6 Pfeile wirklich direkt hintereinander schießen. Ansonsten hat man ja mit AB und CD noch eine kleine Pause nach so einer 6-Pfeil-Passe, doch diese fehlte nun gänzlich. Und nach 36 Pfeilen kommt sonst immer eine größere Pause, auch diese fehlte. 66 Pfeile ohne Pause schießen zu müssen war nicht ohne. Die Compis durften aufgrund der geringeren Teilnehmerzahl allerdings etwas länger pausieren.
Groß war meine Enttäuschung am Schluss, dass am Sonntag überhaupt keine ordentliche Siegerehrung stattfand... und nur deshalb hatte ich doch so lange ausgeharrt! Schade!!!
Das Suchgerät des Dürener Vereins konnte ich am Ende auch noch testen, da ich mir ausgerechnet bei diesem Finalschießen das einzige M gegönnt habe. Unser Gerät find ich aber schöner, auch wenn ich meinen Pfeil letztlich trotzdem wiedergefunden habe.
Insgesamt war das Wochenende wie stets eine interessante und positive Erfahrung. Ich bin stolz auf mich, das ganze durchgestanden zu haben. Hart war nur die Rückfahrt am Samstag, da ich rasende Kopfschmerzen hatte. Tja, das sind die Nachteile des eigenen Autos... man kann nicht alles haben: Taxi und Freiheit! :)
Mit meinen Ergebnissen bin ich persönlich auch zufrieden, bedeuten sie für mich nach der miserablen Saison doch eine gute Steigerung. Ich sehe Licht am Ende des Tunnels... und hab endlich den voriges Jahr so knapp verpassten 1000er Stern!
Üben muss ich dringend 50 Meter, hier hab ich am Samstag die meisten Ringe verloren. Mit dieser Distanz stehe ich einfach auf Kriegsfuß! Und von Vorteil ist gerade bei der großen FITA natürlich auch ein Spektiv, leider nur würde ich auch damit meine Pfeile nicht sehen.
Was unser junger koreanischer Neuzugang schießt, finde ich wirklich überwältigend. Hut ab und herzlichen Glückwunsch! Und von unseren Compis ist man gutes Schießen ja gewohnt, Glückwunsch zu gemeinschaftlich guten Ergebnissen (lagen die drei - Mehdi, Jürgen und Friedhelm - doch in der Qualifikationsrunde nur 8 Ringe auseinander) und Jürgens letztlich ERSTEM Platz!!! ;-)))
Auf ein Wiedersehen bei der Doppel-FITA in Leichlingen am 14./15. August 2010!!!
LG.
Kerstin.

Hut ab
Erst mal Hut ab (egal ob nass oder trocken), dass Ihr den Tag ohne Kreislaufkollaps überstanden habt. Das Turnier muss wirklich anstrengend gewesen sein. Und dann noch eine Steigerung deiner persönlichen Leistungen unter diesen Rahmenbedingungen... So kann man dich also zu Bestleistungen treiben ;)
Nochmal Herzlichen Glückwunsch zu deinem 1000er Stern.
So viele Hüte kann man garnicht kaufen...
...um diese Leistung zu würdigen.
Echte Bögen haben keine Pfeilauflage.